| Debatte um Kulturdialog mit China geht weiter Von Maryam Schumacher, dpa |
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| Montag, 18. April 2011 um 06:29 Uhr | ||
Abbrechen oder weitermachen? Über die Schau «Kunst der Aufklärung» in Peking scheiden sich in Deutschland die Geister. Im chinesischen Nationalmuseum gibt es unterdessen nur wenige Besucher.
Berlin (dpa) - In Deutschland wird weiter über einen angemessenen Kulturdialog mit China gestritten. Der Autor und Sinologe Tilman Spengler sprach sich gegen einen Abbruch der umstrittenen deutschen Schau «Kunst der Aufklärung» im chinesischen Nationalmuseum in Peking aus. «Abbrechen ist so doof wie verbieten - sehr weit weg von Aufklärung», schrieb Spengler in einem Beitrag von süddeutsche.de am Donnerstag. Die Festnahme des regimekritischen chinesischen Künstlers Ai Weiwei habe womöglich nichts mit der Ausstellung zu tun. «Der chinesische Repressionsapparat ist souverän genug, sich seine Terminpläne selber einzurichten.» Spengler war die Einreise zur Ausstellungseröffnung in Peking mit Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verwehrt worden.
Auch der Präsident des Goethe-Institutes, Klaus-Dieter Lehmann, wandte sich gegen ein vorzeitiges Ende der Ausstellung. In einem Gastbeitrag im «Tagesspiegel» (Berlin) schrieb er: «Die Vorkommnisse in China, aber auch die nachfolgende kritikresistente Haltung der Ausstellungsmacher sollte Anlass zum Nachdenken sein.» Die Zensur und ihre Mittel sollten nicht verschwiegen werden. «Stellung zu beziehen gehört zu unserem Selbstverständnis. Das muss nicht schrill oder belehrend sein, sondern offen und glaubwürdig. Dann kann Kulturpolitik etwas bewirken.»
Der Kulturausschuss des Deutschen Bundestages forderte die sofortige Freilassung von Ai Weiwei. «Diese Inhaftierung kommt einem staatlichen Übergriff gleich und darf als Akt diktatorischer Willkür verstanden werden», teilte der Ausschuss in Berlin mit. Die Schau «Kunst der Aufklärung» abzubrechen würde nichts erreichen. «Im Gegenteil, dies käme einer Kapitulation vor den chinesischen Methoden gleich», so der Bundestagsausschuss. Ai war zwei Tage nach Eröffnung der Ausstellung verhaftet worden.
Trotz Ais Festnahme darf der Kulturaustausch zwischen China und Deutschland nach Ansicht der NRW-Kunstsammlungschefin Marion Ackermann nicht abgebrochen werden. «Es hat keinen Sinn, gerade jetzt die kulturellen Kontakte zu China einzufrieren», sagte Ackermann am Donnerstag. «Wir wüssten nichts über das Schicksal Ai Weiweis und anderer dort verfolgter Künstler und Intellektueller, wenn es nicht seit vielen Jahren eine kulturelle Begegnung mit China gäbe.»
Der Dresdner Museumschef Martin Roth sieht sich in der Debatte um einen kulturellen Dialog mit China zu Unrecht an den Pranger gestellt. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa hatte Roth am Mittwoch klargestellt, dass er die Verhaftung des regimekritischen Künstlers Ai Weiwei keineswegs heruntergespielt habe. Er sei in Medien verkürzt wiedergegeben worden. «Wenn bei einigen der Eindruck entstanden sein sollte, ich würde die Verhaftung Ai Weiweis nicht als einen zu verurteilenden rechtsstaatswidrigen Akt ansehen, so bedauere ich dies. Selbstverständlich trete ich für die Einhaltung der Menschenrechte ein.»
Roth - Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden - hatte mit Kollegen aus München und Berlin die Ausstellung «Die Kunst der Aufklärung» in Peking eingerichtet.
Unterdessen scheint die deutsche Ausstellung im chinesischen Nationalmuseum in Peking ein Flop zu sein. «Es kommen nicht viele», berichteten Mitarbeiter der Nachrichtenagentur dpa. In dem riesigen Museum ist die zehn Millionen Euro teure Ausstellung der staatlichen Museen in Berlin, Dresden und München ohnehin für Besucher nur schwer zu finden.
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