| Sitzen und Schweigen für Ai Weiweii |
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| Montag, 18. April 2011 um 06:29 Uhr | ||
Bequemer Protest für einen unbequemen Chinesen: Auf mehr als 200 Stühlen sitzend haben Menschen am Sonntag vor chinesischen Vertretungen in Deutschland für die Freilassung des Künstlers Ai Weiwei demonstriert. Die Aktion war Teil weltweiter Proteste.
Berlin (dpa) - Sitzen und Schweigen für Ai Weiwei: Sie brachten etwa 150 Stühle mit und ließen sich zum stillen Protest vor dem Botschaftsgebäude in Berlin nieder. Künstler und andere Sympathisanten des chinesischen Künstlers und Regimekritikers Ai Weiwei haben am Samstag für dessen Freilassung demonstriert. In München saßen bis zu 80 Menschen vor dem Konsulat. Auch in Minden und Hamburg beteiligten sich Demonstranten an einer weltweiten Protestaktion, zu der im Internet-Netzwerk Facebook aufgerufen worden war. Auch Vertreter aus Politik und Kultur und Menschenrechtler meldeten sich zu Wort.
Ai WeiWei war am 3. April unmittelbar nach Eröffnung der deutschen Ausstellung «Die Kunst der Aufklärung» in Peking festgenommen worden. Seitdem fehlt von ihm jedes Lebenszeichen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» in Peking für den inhaftierten Künstler eingesetzt haben. Eine Regierungssprecherin erklärte dazu: «Die Haltung der Bundeskanzlerin zur Inhaftierung von Ai Weiwei ist klar und bekannt, aber in sonstiger Hinsicht ist der Bericht des Spiegel unzutreffend.» Einzelheiten wollte die Sprecherin auch auf mehrfache Nachfrage nicht nennen.
Dem «Spiegel»-Bericht zufolge drückte Merkel ihre Sorge über Ai Weiweis Schicksal aus und setzte sich für dessen Freilassung ein. Auch der Menschenrechtsausschuss des Bundestags äußerte demnach in einem Brief an den chinesischen Staatschef Hu Jintao großes Unverständnis über die Festnahme des Regimekritikers.
Der CDU-Menschenrechtspolitiker Michael Brand sagte den Angaben zufolge, wenn Chinas Kommunistische Partei die individuelle Kreativität zum Beispiel in Wissenschaft und Wirtschaft stärken wolle, müsse sie auch die Zwangsjacke für die individuelle Freiheit der Kunst lockern. Der Versuch, dies zu trennen, sei politische Schizophrenie.
Gegen die derzeit in Deutschland diskutierte vorzeitige Schließung der deutschen Kunstausstellung in Peking sprachen sich der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann und der Berliner Staatssekretär für Kultur, Andreas Schmitz, aus. «Ich bin ein großer Verfechter von Möglichkeiten, auch in schwierige Länder mit kulturellen Auftritten zu gehen. Wenn man jetzt zurückzieht, dann ist nichts gewonnen», sagte Lehmann am Sonntag in einem Interview des Deutschlandfunks.
Im Tagesspiegel (Sonnabend) schrieb Berlin Kulturstaatssekretär André Schmitz, der Gedanke, die Kunst der europäischen Aufklärung im Herzen Pekings zu präsentieren, habe etwas Faszinierendes. «Trotz ihres verkorksten Auftakts: Die Ausstellung muss bleiben.»
Der Protest auf Stühlen war Teil der weltweiten Aktion «1001 Stühle für Ai Weiwei». Der Protest spielte an Ai Weiweis documenta-Beitrag «Fairytale» im Jahr 2007 in Kassel an. Teil des Beitrags waren damals 1001 historische chinesische Stühle.
In Berlin beteiligte sich auch der frühere Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günther Nooke, an der Aktion: «Es gibt viele Künstler die verhaftet werden in China, aus politischen Gründen, und da hilft es auch manchmal wenn man sich symbolisch für einen einsetzt der besonders bekannt ist», sagte er.
Von dem Künstler fehlt auch gut zwei Wochen nach dessen Festnahme jede Spur. Ais Schwester Gao Ge sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag, sie sei nicht sicher, dass die weltweiten Proteste gegen die Inhaftierung zur Freilassung ihres Bruders beitragen würden. «Ich glaube aber nicht, dass die internationalen Proteste seine Lage verschlimmern», sagte sie in einem Telefongespräch. Es gebe weiter keine Informationen dazu, wo Ai Weiwei sich aufhalte.
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