| Ein Vogelflughafen auf dem Dach der Bundeskunsthalle Von Günter Wächter, dpa |
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| Mittwoch, 20. April 2011 um 06:36 Uhr | ||
Der Code des Flughafens lautet IOB - International Ornithoport Bonn. Ungewöhnlich ist der Ort für den Airport: Es ist das Dach der Bundeskunsthalle in Bonn.
Bonn (dpa) - Experimentelle Frische auf dem Dach der Bundeskunsthalle: Dort gibt es ab Donnerstag bis Ende Oktober den Internationalen Vogelflughafen, Ornithoport, zu bestaunen. «Das, wo Vögel starten und landen, Airport zu nennen, fanden wir frech genug, um es zu tun», sagt Stephan Andreae. Er ist Kurator und Projektleiter des Ornithoports. Dort, gleich neben der Blumenwiese, haben die Projektmacher Antennengebilde errichtet. «Singringe» und «Plapperstangen» nennen sie die Installationen. Alle paar Minuten ertönt der Originalgong des Köln-Bonner Flughafens, gefolgt von der Durchsage «Bitte achten Sie auf Ihre Ideen - Please watch your spirits».
Piktogramme weisen den Besuchern den Weg. «Aber unsere Piktogramme sind sehr viel poetischer als die auf den Flughäfen», sagt Andreae. Eine Friedenstaube etwa weist den Weg zum Gepäck, ein Hahn führt zur «bird control» und eine «Melone» zu Liebermann. Denn der Ornithoport teilt sich die Dachfläche des Museums mit dem nachgebauten Garten Max Liebermanns (1847-1935), der Teil der großen Liebermann-Ausstellung ist, die in dieser Woche eröffnet wird.
Was Liebermann mit dem Fliegen zu tun hat? «Liebermann war ein Flugangsthase», sagt der Schweizer Konzeptkünstler Res Ingold, der großen Anteil an der Idee des Ornithoports hat. Er betreibt seit gut 25 Jahren die Ingold Airlines, eine fiktive Fluggesellschaft mit hohem künstlerischem Anspruch. Ingold zitiert Liebermann mit den Worten: «Wenn Gott gewollt hätte, dass ich fliege, hätte er mich nicht Maler sondern Drache werden lassen.» Aber Berührungen mit dem Fliegen hatte Liebermann schon. Er hielt engen Kontakt zu seinem 31 Jahre jüngeren Malerfreund Wilhelm Focke. Dieser war einer der deutschen Flugpioniere und älterer Bruder von Henrich Focke, der später die Focke-Wulf AG gründete.
Aber zurück zum Dachgarten. Andreae hat beobachtet, dass die in den Lüftungslamellen nistenden Hausrotschwänze mit ihren Jungen erste Flugversuche am Dachaufbau des Lastenaufzugs unternehmen. Mithin steht dort die Flugschule. Vor ihr erstreckt sich meterweit eine Start- und Landebahn.
«Den Vögeln», sagt Andreae, «wird das alles völlig egal sein.» Die Besucher können für 20 Cent eine kleine Broschüre erwerben, in der unter anderem auch die seit 1906 im Raum Bonn gesichteten Vögel aufgelistet sind.
Die Vögel allerdings sind auf dem Dach nicht allein mit ihrem Ornithoport und dem Liebermannschen Garten. Da gibt es noch den Apidrom, den Bienenflughafen. Zwölf Bienenvölker leben auf dem Dach der Bundeskunsthalle. In den vergangenen Jahren sind mehr und mehr Imker mit ihren Bienen aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft in die Städte geflohen. Bienen werden heute an vielen prominenten Orten gehalten: Etwa im Park des Weißen Hauses in Washington DC, in den Gärten des Vatikans, auf dem Dach der Pariser Oper und auch von den Hochhausdächern Manhattans starten Bienen zu ihren Sammelflügen und produzieren dort qualitativ hochwertigen Honig.
Herr über die Bienen auf dem Dach der Bundeskunsthalle ist Imker Klaus Maresch. Er gibt an verschiedenen Terminen in diesem Frühjahr und Sommer Einblick in das Leben und den Alltag seiner «Bundesbienen», vor deren Bienenstöcken passend zum Ornithoport kleine Start- und Landebahnen angebracht sind.
http://www.bundeskunsthalle.de
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