| «Max Liebermann - Wegbereiter der Moderne» in Bonn Von Günter Wächter, dpa |
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| Donnerstag, 21. April 2011 um 06:30 Uhr | ||
Bonn (dpa) - Der Maler Max Liebermann gilt als der «Wegbereiter der Moderne» in Deutschland. So lautet auch der Untertitel einer Retrospektive mit mehr als 100 Werken aus allen Schaffensphasen, die ab Donnerstag bis zum 11. September in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen ist. Mit den gezeigten Gemälden und Arbeiten auf Papier wird Liebermanns stilistische Entwicklung in 14 chronologisch geordneten Kapiteln dargestellt. Am Ende stehen die berühmten Gartenbilder, die Liebermann (1847-1935) im Garten seines Sommerhauses am Wannsee zwischen 1910 und 1933 schuf. Davon inspiriert entstand auf dem Dach des Museums ein Liebermann-Garten.
Liebermann wuchs in einem äußerst wohlhabenden Elternhaus am Pariser Platz in Berlin gleich neben dem Brandenburger Tor auf. Seinem Berufswunsch, Maler zu werden, standen die Eltern eher skeptisch gegenüber. Dennoch war er als Jugendlicher Privatschüler bei Carl Steffeck, einem der renommiertesten Maler im damaligen Berlin. 1868 nahm Liebermann sein Kunststudium in Weimar auf. Hier erhielt er eine solide handwerkliche Grundlage. Das große Thema seiner Bilder fand er hier nicht.
1871 reiste er zum Pariser Salon. Dort sah er zum ersten Mal Bilder von Corot, Daubigny und Millet. Diese Pioniere der Freilichtmalerei gehörten zur Schule von Barbizon. Sie erneuerten die Landschaftsmalerei durch unmittelbare Naturanschauung und genaue Beobachtung der Lichtwirkung. Drei Jahre später schuf Liebermann bei einem Besuch in Barbizon erste Studien arbeitender Menschen auf freiem Feld. Er zeigte in seinen Arbeiten den nüchternen Alltag der Bauern, mit all seiner Mühsal und Monotonie.
Publikum und Kritik waren empört über die belanglosen Motive arbeitender Bauernfrauen und die spröde Umsetzung. Gleich sein erstes Hauptwerk «Gänserupferinnen» von 1872, in der Ausstellung nicht zu sehen, löste einen handfesten Skandal aus. Liebermanns Ruf als «Apostel der Hässlichkeit» war besiegelt.
19 Jahre später gab es wieder einen Skandal. Der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alfred Lichtwark, beauftragte Liebermann, den Hamburger Bürgermeister Petersen zu porträtieren. Die Kritik am fertigen Bild war niederschmetternd. Die unverstellt realistische Darstellung löste Empörung aus. Dennoch stieg Liebermann nach der Jahrhundertwende zum gefragtesten Porträtisten der Berliner Gesellschaft auf.
Um die Jahrhundertwende erhoben die französischen Impressionisten das Motiv des sommerlichen Badepublikums zum Thema. Dabei wurden die dargestellten Figuren der Wiedergabe von Lichtwirkung und Atmosphäre untergeordnet. Farbe und Faktur wurden zu Trägern einer neuen Seherfahrung. Liebermann nahm diesen Ansatz auf. An der holländischen Küste entstanden zahlreiche Bilder. Eines ziert auch das Plakat der Ausstellung. Überhaupt Holland: Das Land betrachtete Liebermann als seine «Malheimat». Von 1871 bis 1914 verbrachte er jeden Sommer dort und holte sich Inspirationen für seine Bilder.
Die Ausstellung endet mit dem Alterswerk der späten Gartenbilder. Zwischen 1910 und 1933 schuf er mehr als 200 Varianten. Die prägenden Elemente des Liebermannschen Gartens sind auf dem Dach der Bundeskunsthalle zu erleben. Die Birkenallee, die Stauden- und Sonnenblumenbeete und die drei Heckengärten wurden dort, wenn auch in anderer Aufteilung, errichtet. Auf 1450 Quadratmetern werden Elemente aus dem Nutz-, dem Schmuck-, dem Hecken- und dem Landschaftsgarten zusammengeführt.
http://www.bundeskunsthalle.de
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