| Neumann kritisiert deutsche Museumschefs wegen Ai Weiwei |
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| Mittwoch, 27. April 2011 um 06:33 Uhr | ||
Berlin (dpa) - Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat die «weichgespülten Floskeln» der Museumsdirektoren aus Berlin, München und Dresden gegenüber der chinesischen Regierung kritisiert. Bei der Eröffnung der deutschen Ausstellung zur «Kunst der Aufklärung» in Peking seien die Museumsleute unangenehm aufgefallen. Sie hätten sich in den Ohren der Chinesen offenbar so angehört «wie die Sprache der eigenen Funktionäre», erklärte Neumann in einem Redetext zu einer Podiumsdiskussion über den inhaftierten regimekritischen Künstler Ai Weiwei am Dienstag in der Berliner Akademie der Künste.
Neumann zitierte in seiner Rede Eindrücke des Präsidenten des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann. Der CDU-Politiker betonte: «Wer sich auf dem Parkett der internationalen Kulturpolitik bewegt, muss sich immer bewusst sein, dass er gerade in unfreien Ländern ein Mandat als Anwalt der Freiheit - wo immer es geht - wahrzunehmen hat.» An der Debatte wollten unter anderem der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, Akademie-Präsident Klaus Staeck und der SPD-Politiker Egon Bahr teilnehmen.
Neumann forderte die sofortige Freilassung Ai Weiweis, der am 3. April - zwei Tage nach der Ausstellungseröffnung - in Peking festgenommen wurde und seitdem verschwunden ist. Der Kulturstaatsminister lehnte eine vorzeitige Schließung der Kunstschau ab. «Veränderungen erreicht man nur im Dialog, und kaum eine Sprache hat ein derart großes Potenzial, Veränderungen herbeizuführen wie die Sprache der Kunst.»
«Geschmacklos» nannte Neumann, dass zur Eröffnung der Ausstellung im Pekinger Nationalmuseum Vertreter der deutschen Wirtschaft einen Journalisten ausgebuht hätten. Der Reporter hatte nachfragt, warum der Sinologe Tilman Spengler von der Eröffnung ausgeladen wurde.
Indirekt kritisierte Neumann auch den Dresdener Museumschef Martin Roth wegen dessen Äußerungen zu Ai Weiwei. «Ich habe auch wenig Verständnis dafür, dass im Kommentar eines beteiligten Museumsdirektors der Eindruck erweckt wurde, Ai Weiwei habe wegen seiner offensiven Kritik am chinesischen Staat quasi eine Mitschuld an seiner Verhaftung», sagte Neumann. «Eine derart tiefe Verbeugung gegenüber dem chinesischen Staat hat nichts mehr mit Höflichkeit zu tun, das ist anbiedernd und die Verhöhnung eines mutigen und bedeutenden Künstlers.»
Roth hatte zuvor erklärt, er sei missverstanden worden, seine Äußerungen seien falsch wiedergegeben worden.
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