| Versicherer: Kunst eignet sich nicht als Spekulationsobjekt Interview: Dorothea Hülsmeier, dpa |
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| Montag, 01. August 2011 um 07:26 Uhr | ||
Düsseldorf/München (dpa/lby) - Der Kunstmarkt boomt, doch mit den Preisen steigen auch die Versicherungssummen für Museen. Das bereite gerade mittelgroßen Häusern Probleme, sagt Georg von Gumppenberg, Leiter Kunstversicherung der Allianz Versicherungs AG (München), im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Wer Kunst als Anlageobjekt kaufen will, sollte auf hohe Qualität achten, sagt der Kunstexperte und warnt vor Illusionen: «Wer glaubt, dass er mit Kunst 30 Prozent Gewinn pro Jahr oder mehr erzielt, täuscht sich.»
Die Kunsthäuser klagen, dass die Finanzierung von Ausstellungen immer schwieriger und kostspieliger wird. Warum ist das so?
Gumppenberg: «Das hat zum einen mit dem Transport der Kunstwerke zu tun. Je teurer ein Objekt ist, desto aufwendiger muss es verpackt werden. Eine weitere Ursache für die immer höheren Kosten sind die rasant gestiegenen Kunstpreise der vergangenen Jahre. Denn mit ihnen steigen die Versicherungssummen für die Kunsthäuser und damit auch die Gesamtprämien, obwohl die reinen Prämiensätze eher gesunken sind.»
Führt das dazu, dass es inzwischen weniger große Ausstellungen gibt?
Gumppenberg: «Es ist nicht so, dass es signifikant weniger Ausstellungen in Deutschland gibt. Aber gerade die mittelgroßen Häuser haben oft kein ausreichendes Budget und müssen manchmal Ausstellungen ausfallen lassen. Ich glaube, dass sich daraus ein Trend entwickeln könnte.»
Was ist die größte Gefahr bei einer Ausstellung?
Gumppenberg: «Das größte Problem ist immer der Auf- und Abbau. Die Objekte kommen mit großen Lastwagen an, die möglichst schnell ausgepackt werden sollen. Sie müssen nach jedem Transport begutachtet werden, ob sie dabei nicht Schaden genommen haben. Dann werden sie zwischengelagert und erst danach in die Ausstellungsräume gebracht. Dort werden die Kunstobjekte noch einmal hin- und hergerückt. Da kann es in der Hektik einfach mal passieren, dass eines beschädigt wird. Das Gleiche gilt natürlich auch für den Abbau. Der größte anzunehmende Schaden würde übrigens durch ein Feuer entstehen. Ein Dieb kann nur eine begrenzte Auswahl an Exponaten mitnehmen, ein Feuer aber alles rauben.»
Es gibt immer wieder spektakuläre Kunstdiebstähle...
Gumppenberg: «Die gibt es. Und sie werden zunehmend mit Gewalt durchgeführt, zum Beispiel bei der Sammlung Bührle in der Schweiz. Schwer bewaffnete Täter haben vier kapitale Kunstwerke von Cézanne, Degas, Monet und van Gogh entwendet. Zwei haben sie aber später zurückgelassen, weil die Hintermänner die offensichtlich nicht wollten.» Sind das organisierte Banden?
Gumppenberg: «Man muss es vermuten. Man weiß aber nicht sicher, wer dahintersteckt. Die gestohlenen Bilder sind ja absolut nicht weiterzuverkaufen. Das Grundproblem ist, dass viele Museen nur über unzureichende Sicherungen verfügen. Wir sprechen mit den Verantwortlichen und geben Tipps, wie sie oft mit relativ einfachen Mitteln die Sicherheit erhöhen können.»
Kunstwerke erzielen heutzutage teilweise Höchstpreise auf Auktionen. Sollte man sein Geld also in Kunst anlegen?
Gumppenberg: «Dass man einen Teil des Vermögensmixes in Kunst anlegt, halte ich für sinnvoll, aber eher als Werterhalt und nicht, um damit zu spekulieren. Wenn man gute Qualität kauft, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass sich das Geld erhält und vielleicht sogar eine vernünftige Rendite bringt - so wie man auf dem Kapitalmarkt auch eine Rendite von etwa 5 Prozent pro Jahr erwirtschaften kann. Aber wer glaubt, dass er mit Kunst 30 Prozent Gewinn pro Jahr oder mehr erzielt, täuscht sich. Das kann einfach nicht funktionieren.»
Steigen die Preise, wenn ein Maler stirbt - so wie kürzlich Lucian Freud?
Gumppenberg: «Die Legende, dass die Werke eines Künstlers automatisch im Wert steigen, wenn er stirbt, mag für Maler wie Lucian Freud durchaus gelten. Wenn aber jemand vor seinem Tod nicht ein wirklich bekannter Künstler war, werden seine Bilder nach dem Tod nicht viel wertvoller werden.»
Wie haben sich die Preise etwa für Möbel oder Teppiche entwickelt, die früher als Anlageobjekte galten?
Gumppenberg: «Biedermeier-Möbel haben vor 15 Jahren schlicht und ergreifend mehr gekostet als heute. Zinn, Messing und Eichenmöbel waren vor 20 bis 25 Jahren große Mode. Heute sind sie fast unverkäuflich, außer wenn es sich um Spitzenqualität handelt. Das gilt etwa auch für Teppiche aus den 50er, 60er, 70er Jahren aus Persien. Auf dem Kunstmarkt gibt es immer Wellenbewegungen. Jugendstil und Art déco waren bis vor 20 Jahren noch relativ unbedeutend, heute sind sie groß en vogue. Aber ich bin kein Kaffeesatzleser und kann daher nicht sagen: Das ist in 15 Jahren immer noch so.»
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