| Eine Kunsthalle ohne Bilder - Bremer Museum eröffnet nach Umbau Von Irena Güttel, dpa |
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| Dienstag, 23. August 2011 um 09:49 Uhr | ||
Zweieinhalb Jahre hatte die Bremer Kunsthalle wegen Bauarbeiten geschlossen. Am Samstag öffnet sie endlich wieder. Doch die Kunstfreunde müssen sich noch etwas gedulden. Die Meisterwerke werden erst nach und nach in das Museum zurückkehren. Schuld ist der Staub.
Bremen (dpa) - Noch bedeckt Staub den dunklen Holzfußboden. Zwischen den klassizistischen Säulen stehen Leitern. Bauarbeiter werkeln an der Lichtanlage. Irgendwo aus der Tiefe der Bremer Kunsthalle dröhnt ein Bohrer. Mehr als zweieinhalb Jahre war das Museum mitten in den Wallanlagen für einen aufwendigen Umbau geschlossen. Am Samstag wird die Kunsthalle endlich wieder ihre Türen öffnen - doch die Besucher bekommen erstmal nur leere Wände zu sehen.
«Das Problem war der Staub», sagt Direktor Wulf Herzogenrath. Damit die Meisterwerke aus 600 Jahren Kunstgeschichte keinen Schaden nehmen, waren sie während der Bauarbeiten eingelagert oder an andere Museen ausgeliehen. Sie werden erst in den nächsten Wochen nach und nach an ihren Platz zurückkehren. Solange sollen die Besucher freien Eintritt haben.
Ein Kunstmuseum ohne Bilder - das hat auch seinen Charme, findet Herzogenrath. Zumindest vorrübergehend. «Das ist eine schöne Gelegenheit, die Architektur zu würdigen, bevor sie wieder in den Hintergrund tritt.» Denn bei dem Umbau ging es nicht nur darum, den Altbau von 1849 um zwei moderne Seitenflügel zu ergänzen, die mit einer Fläche von fast 4000 Quadratmetern mehr Platz für die Sammlung, Restaurierungswerkstätten, eine Bibliothek und die Museumspädagogik bieten.
«Wir haben versucht, ein neues Ganzes zu schaffen», erläutert der Berliner Architekt Karl Hufnagel, dessen Büro auch den Neubau des Museums der bildenden Künste in Leipzig und die Erweiterung des Stadtmuseums in Kassel geplant hat. Deshalb veränderten Hufnagel und sein Team die Architektur des bestehenden Gebäudes, dessen klassizistischen Ursprung An- und Umbauten im Laufe der Jahre verwässert hatten. «Wir sind ein Stück zurück in die Geschichte gegangen und haben symmetrisch angebaut.»
Dafür musste ein Seitentrakt aus den 80er Jahren weichen. Im Altbau schufen die Architekten auf der linken Seite ein zweites Treppenhaus, ergänzten das Gewölbe im Keller um einige Pfeiler und formten runde Säulen in eckige um. Der nüchterne und klare Neubau steht einerseits im Kontrast zu den zum Teil üppigen Verzierungen des Altbaus, knüpft andererseits aber auch an dessen Stilelemente an. Der dunkle Eichenboden setzt sich hier in hellem Holz fort, die Außenfassade des alten Gebäudes wird zur Innenwand der Seitenflügel.
Rund 30 Millionen Euro waren bei Beginn der Bauarbeiten im Dezember 2008 veranschlagt, die der Kunstverein, die Stadt Bremen und der Bund zu je einem Drittel finanziert haben. Zwei Jahre später sollte alles fertig sein. Doch dann verzögerten ein eisiger Winter und das juristische Tauziehen mit dem Betreiber des Museum-Cafés, das wegen des Abriss des Anbaus umziehen sollte, die Pläne. Auch die Kosten stiegen. Letzte Schätzungen liegen bei rund 33 Millionen Euro. «Aber es wird sicher mehr», meint Herzogenrath.
Mit großen Ausstellungen zu Claude Monet, Vincent van Gogh, Paula Modersohn-Becker und der Künstlergruppe «Der Blaue Reiter» hat sich die Kunsthalle in der Vergangenheit auch überregional einen Namen gemacht. «In Deutschland gehört sie zu den bedeutendsten Museen», sagt der Bremer Kunsthistoriker Guido Bouboullé. Herausragend sei vor allem die Breite der Sammlung, die die Entwicklung der Kunst vom Mittelalter bis heute abbilde - in all ihren Formen.
Nur wenige Meter voneinander entfernt sind die Meisterwerke europäischer Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts, Videokunst von John Cage und das Kupferstichkabinett mit rund 200 000 Zeichnungen und Druckgrafiken zu finden. Normalerweise. Zurzeit gibt es für die Besucher dort noch nicht viel zu sehen. Totale Leere erwartet sie zur Wiedereröffnung jedoch nicht.
Der amerikanische Lichtkünstler James Turrell hat eigens für die Kunsthalle eine Installation geschaffen, die ausgehend vom Sternenhimmel nördlich von Neuseeland durch alle Stockwerke bis zum Dach reicht, das sich bei Dämmerung öffnet. Außerdem bespielt die Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist einen ganzen Raum mit Nahaufnahmen von Pflanzen und Tieren.
Spätestens am 15. Oktober wird die Kunsthalle komplett fertig sein, verspricht Herzogenrath. Denn dann beginnt die seit drei Jahren geplante Sonderschau «Edvard Munch - Rätsel hinter der Leinwand». ## Service - Öffnungszeiten: 20. und 21.8. 10.00 bis 20.00 Uhr, ab 23.8. Dienstag 10.00 bis 21.00 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Montag geschlossen
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