| Ruhrgebiet plant Dauer-Kulturhauptstadt in klein Von Rolf Schraa, dpa |
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| Dienstag, 06. Dezember 2011 um 05:19 Uhr | ||
Die Kulturhauptstadt 2010 war für das Ruhrgebiet ein Riesenerfolg: Über zehn Millionen Besucher sahen, dass die Industrieregion längst nicht mehr grau und trostlos ist. Auf kleinerer Flamme soll das Festivalfeuer nun dauerhaft weiterglimmen.
Essen (dpa) - Gemeinsames Singen für mehr als fünf Millionen Menschen im ganzen Ruhrgebiet, ein Freiluft-Kunstfestival entlang der Emscher und Veranstaltungen zum Thema «Heimat»: Das Ruhrgebiet plant nach seinem Überraschungserfolg bei der Kulturhauptstadt 2010 jetzt eine dauerhafte Fortsetzung des Festivals. Die bisherige Kulturhauptstadt-Gesellschaft Ruhr.2010 stellte am Montag offiziell ihre Tätigkeit ein. Regionale Gesellschaften und der Regionalverband Ruhr übernehmen die Arbeit und vielfach die Beschäftigten.
Kultur zum Mitmachen und identitätsstiftende Großereignisse - das waren die Erfolgsrezepte von 2010, die Hunderttausende in eine lange unterschätzte Region lockten. Das Image der Ruhr verbesserte sich deutlich, wie der Blick in die vielen Medienberichte zeigte. Offenbar kam mancher positiv überraschte Gast auch ein zweites oder drittes Mal: Im Jahr nach der Kulturhauptstadt stiegen die Übernachtungszahlen in der Region weiter, während andere Kulturhauptstädte im Jahr danach Einbrüche zu verzeichnen hatten.
In einer Region, wo die Großstädte so dicht aufeinanderkleben wie sonst nirgendwo in Deutschland, brachte das Festival außerdem ein spürbares Zusammenwachsen und deutlich weniger Streit im Inneren. Ob mit oder ohne Faust in der Tasche: Großprojekte wie die Sperrung der Ruhr-Autobahn A 40 von Duisburg bis Dortmund, der «Day of Song» oder das Projekt «Schachtzeichen» mit großen gelben Gasballons über ehemaligen Bergwerksschächten im ganzen Ruhrgebiet ließen sich nun mal nur in enger Zusammenarbeit vieler Städte bewältigen.
Groß war die Angst, dass nach dem Schlussfeuerwerk Ende 2010 das alte Kirchturmdenken wieder Einzug halten könnte. Schließlich sind Kulturetats knapp und jeder Dezernent lässt sich gerne für die eigenen Pläne loben. Zäh verliefen zunächst auch die Verhandlungen über die Finanzierung eines Kulturhauptstadt-Nachfolgeangebotes. Doch dann einigten sich die Ruhr-Kommunen auf einen dauerhaften Beitrag von 2,4 Millionen Euro pro Jahr, das Land versprach dieselbe Summe. Das entspricht zusammen etwa einem Zehntel des Etats im Festjahr.
Die vor kurzem neu gewählte Chefin des Regionalverbandes Ruhr, Karola Geiß-Netthöfel, will neuer Kristallisationspunkt der «Dauer-Kulturhauptstadt» werden. In der dafür neu formierten Abteilung sind auch erfahrene Ruhr.2010-Leute. Das erste Großprojekt ist die Wiederholung des revierweiten «Day of Song» am 2. Juni 2012. Dann wird von der Ruhr-Quelle bis zur Lippemündung auch wieder das Lied zu hören sein, das früher im Revier jedes Kind in der Schule lernte: «Glück auf, Glück auf - der Steiger kommt.»
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