| KWI-Direktor: Europäische Kulturhauptstadt große Chance Interview: Helen Hoffmann, dpa |
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| Freitag, 09. Dezember 2011 um 05:34 Uhr | ||
Berlin (dpa) - Der Titel Kulturhauptstadt Europas wird seit 1985 jährlich verliehen. In den meisten Fällen war die Wahl für die Beteiligten ein Gewinn, sagt der Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI), Claus Leggewie, in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Nur wenige hätten den europäischen Gedanken nicht ernst genommen.
Wer profitiert von der Wahl?
Leggewie: «In der Regel sind es Städte, die ein durchdachtes Konzept vorgelegt und sich damit im Wettbewerb und vor einer anspruchsvollen Jury durchgesetzt haben. Die Städte gewinnen andernorts an Profil und bauen ihre kulturelle Infrastruktur aus. Sie tragen also indirekt zur Verbesserung Europas bei. Aber: Ausnahmen bestätigen die Regel, es gab also auch ein paar Ausrutscher auf einer ansonsten sehr stattlichen Erfolgsliste.»
Was ist mit den Bewohnern einer europäischen Kulturhauptstadt?
Leggewie: «In der Breite fühlten sie sich nicht in allen Fällen mitgenommen und bessergestellt. Einige empfanden das Jahresprogramm bisweilen als etwas, das nur auswärtigen Besuchern zugutekam. Anderen fehlte die soziale Ausgewogenheit, wenn das Programm zu einseitig auf Hochkultur konzentriert war. Vielen Städten ist es aber auch gelungen, lokale Spezialitäten ins europäische Kulturprogramm einzubringen und Subkultur mit Hochkultur zu verbinden. Bei Ruhr 2010 hat es einige sehr breitenwirksame Ereignisse gegeben, wie die längste Tafel der Welt auf der A40.»
Die Titelverleihung soll einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Bürger Europas füreinander leisten. Klappt das?
Leggewie: «Das war sehr unterschiedlich. Manche Städte haben die Gelegenheit genutzt, ihre kulturelle Infrastruktur aufzurüsten und den Tourismus zu beleben. Andere haben punktuelle Beiträge zu Europa geleistet, wieder andere ein nachhaltiges Netzwerk an Kontakten und Kooperationen geschaffen.»
Kann es sein, dass manche Städte den Titel in erster Linie zur Selbstdarstellung nutzen und den europäischen Gedenken missachten?
Leggewie: «Das ist vorgekommen. Aber schon ein lokaler Beitrag zur städtischen Kultur an einem Ort ist ein wichtiger Beitrag zur europäischen Identität, zu der Städte historisch wie aktuell maßgeblich zählen.»
Ist es sinnvoll, dass es in der Regel zwei Titelträger gibt, einen aus einem alten, einen aus einem neuen EU-Staat?
Leggewie: «Nach meiner Meinung schon. Essen bzw. die Metropole Ruhr hat sich beispielsweise viel mit Istanbul ausgetauscht, punktuell auch mit dem dritten Titelträger, der ungarischen Stadt Pecs. Systematisch ist diese Kooperation aber selten gewesen.»
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