| Kunstminister Heubisch: «Wir bauen nicht auf Sand» Interview: Britta Schultejans, dpa |
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| Donnerstag, 22. Dezember 2011 um 05:12 Uhr | ||
München (dpa/lby) - Es ist viel passiert im bayerischen Kulturjahr 2011. Gerade erst fiel die Entscheidung, ein Museum der bayerischen Geschichte in Regensburg zu bauen und auch in die Endlos-Debatte um einen neuen Münchner Musiksaal scheint endlich Bewegung zu kommen. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa spricht Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) über das große Projekt und betont: «Wir bauen nicht auf Sand.»
Herr Minister, vor kurzem ist die Entscheidung gefallen: Das Museum für bayerische Geschichte kommt nach Regensburg. Gerade aus dem unterfränkischen Raum aber gab es ja Widerstand gegen den Standort Regensburg...
Wolfgang Heubisch: «Da gibt es ja widerstreitende Meinungen und vielleicht auch Missverständnisse. Ich glaube, dass jetzt Ruhe einkehrt und das ist auch richtig so. Man muss nun nach vorne blicken und diese großartige Idee bis 2018 umsetzen. Ich glaube, dass der Standort ideal ist, um die kleinen Befindlichkeiten zwischen Franken, Schwaben und Altbayern zu minimieren.»
Viele Regionen scheinen sich aber doch so zu fühlen, als kämen sie kulturell etwas zu kurz. Ist das Verhältnis zwischen München und dem Rest von Bayern Ihrer Ansicht nach ausgewogen genug?
Wolfgang Heubisch: «Man sieht ja an der Entscheidung für Regensburg, dass genau dieser Ausgleich stattfindet. In Nürnberg haben wir uns an der Sanierung des Staatstheater mit mehr als 10 Millionen beteiligt. In Augsburg setzen wir uns für den Erhalt der Staats- und Stadtbibliothek ein. Für das Theater in Augsburg haben wir den Zuschuss erhöht. Wir haben sechs nichtstaatliche Kulturorchester, die wir erheblich bezuschussen. Das sind nur einige Beispiele.»
Trotzdem scheint der Fokus der kulturinteressierten Öffentlichkeit fast nur auf München zu liegen...
Wolfgang Heubisch: «München ist das internationale Aushängeschild des Freistaats Bayern. Wir werden draußen als Landeshauptstadt wahrgenommen und wir müssen uns auch klar machen, dass wir einen erheblichen Wettbewerb mit der Bundeshauptstadt Berlin haben und da wollen wir unsere Position mit allen Mitteln verteidigen.»
Ein solches Mittel wäre auch ein neuer Musiksaal?
Wolfgang Heubisch: «Ja natürlich! Wenn ich drei Spitzenorchester habe und keinen guten Musiksaal, dann melde ich mich ab aus dem internationalen Geschäft. Nicht umsonst kommt Sir Simon Rattle nicht mehr nach München. Wenn wir internationale Spitzenmusik in München haben, dann wünschen sich viele auch einen hervorragenden Musiksaal.»
Sie haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass Sie den neuen Musiksaal gerne auf der Isarinsel, im alten Kongresssaal des Deutschen Museums sehen würden. Was finden Sie an der Idee denn so reizvoll?
Wolfgang Heubisch: «Reizvoll finde ich natürlich, dass dort ein Kongresssaal war, wo es sehr viele Konzerte gab - von der Klassik bis zum Rockkonzert. Ich habe dort Rod Stewart noch gehört. Bei den Musikfreunden in München spürt man eine sehr große Affinität zu diesem Kongresssaal. Und das ist sehr wichtig - auch, weil wir natürlich auf private Sponsoren angewiesen sind. Das funktioniert nur, wenn sich München mit dem Projekt identifiziert.»
Spricht für Sie auch irgendwas für den Finanzgarten als Standort?
Wolfgang Heubisch: «Eher nicht. Wir haben das früher schon einmal prüfen lassen, aber schon da hat sich gezeigt, dass es da viele Probleme gibt - unter anderem auch wegen des Denkmalschutzes. Da liegen noch die alten Stadtmauern unter dem Gelände und es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Altstadttunnel. Das ist alles problematisch deshalb konzentrieren wir uns momentan auf die beiden Vorschläge für den Kongresssaal.»
Inzwischen geistert ja schon der Name Isarphilharmonie durch die Gegend. Parallelen zur Elbphilharmonie und dem finanziellen Desaster liegen da nahe...
Wolfgang Heubisch: «Die Münchner sind gewohnt, auf Schotter zu bauen. Wir bauen nicht auf Sand und darum ist die Gefahr, dass wir langsam im Untergrund versinken, in München nicht gegeben. Das ist ein netter Vergleich, aber ich bin nicht so vermessen, die Isar mit der Elbe vergleichen zu wollen.»
Das Projekt wird auch den Freistaat viel kosten. Besteht da nicht die Gefahr, dass andere, seit Jahren drängende Sanierungen in den Hintergrund geraten?
Wolfgang Heubisch: «Nein, das wird nicht passieren. Wir wollen neue Projekte vorantreiben und gleichzeitig die bestehenden renommierten Häuser in Schuss halten. Auch da haben wir einen großen Nachholbedarf. Das will ich gar nicht unter den Tisch kehren. Aber wir nehmen das ernst und arbeiten intensiv daran. Für die Finanzierung dieser wichtigen Sanierungsvorhaben brauchen wir unbedingt die Unterstützung durch den Landtag.»
Was sind die drängenden Projekte, an die Sie zuerst denken?
Wolfgang Heubisch: «Die Sanierung des Gärtnerplatztheaters läuft im nächsten Jahr an. Das ist ein 70-Millionen-Euro-Projekt. Dann haben wir Renovierungsbedarf am Haus der Kunst, der Neuen Pinakothek und der Archäologischen Staatssammlung München. Auch im Theater Augsburg gibt es ganz große Renovierungsvorhaben, am Theater in Aschaffenburg wurde bereits begonnen und auch für das Landestheater Coburg laufen die Planungen.»
Auch in der Pinakothek der Moderne gab es in diesem Jahr einige Hiobsbotschaften - Risse im Mauerwerk nach nur zehn Jahren. Wie teuer wird das?
Wolfgang Heubisch: «Ein endgültiges Gutachten steht noch aus, aber es sieht so aus, als könne man vorsichtig optimistisch sein. Genaue Summen haben wir aber noch nicht.»
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