| Gerhard Richter - «Bilder einer Epoche» in Hamburg Von Jenny Tobien, dpa |
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| Freitag, 04. Februar 2011 um 06:35 Uhr | ||
Er zählt zu den größten zeitgenössischen Künstlern: Ein Jahr vor Gerhard Richters 80. Geburtstag präsentiert das Bucerius Kunst Forum in Hamburg seine «Bilder einer Epoche» und eröffnet damit einen ganzen Ausstellungsreigen. Mit dabei auch Richters Schlüsselwerk, der Zyklus «18. Oktober 1977» aus dem Museum of Modern Art in New York.
Hamburg (dpa/lno) - Die großformatigen Gemälde nach Fotografien haben seinen Ruhm mitbegründet: Ein Jahr vor Gerhard Richters 80. Geburtstag präsentiert das Bucerius Kunst Forum in Hamburg 50 Werke des Starkünstlers aus deutschen und internationalen Sammlungen. Ein Höhepunkt der Schau bildet der Zyklus «18. Oktober 1977» aus dem Museum of Modern Art in New York, der an die traumatischen Ereignisse des Deutschen Herbstes erinnert. Richter habe sich persönlich beim MoMA dafür eingesetzt, dass wir die Bilder hierher bekommen, erzählt Kurator Uwe M. Schneeder, der frühere Direktor der Hamburger Kunsthalle am Donnerstag.
Ein großer Teil der Ausstellung ist Richters frühen Arbeiten aus den sechziger Jahren gewidmet - der in Dresden geborene Künstler war 1961 in den Westen übergesiedelt. Für die großformatigen, verwischten Gemälde nach Fotos isolierte er Motive aus den Bildstrecken von Magazinen wie Stern oder Quick. «Diese Gemälde sind auf eine unerklärliche Weise beunruhigend», erklärt Schneeder. Sie zeigten den Moment eines Geschehens, das aber rätselhaft bleibe.
Was wie ein zufälliger Schnappschuss und oft unscheinbar wirkt, stammt meist aus sensationslüsternen Reportagen über Hochstapler, Giftmörder oder Prostituiertenmorde. Da ist das Bild der «Sekretärin» (1964), deretwegen ein Anwalt aus Minnesota seine Frau ermordet haben soll. Oder die Abbildung von «Helga Matura mit Verlobten» (1966). Die Prostituierte, «seit neun Jahren die ungekrönte Königin der Frankfurter Nächte» wurde von einem Unbekannten ermordet.
Richter beschäftigten aber auch politische Ereignisse, wie die Ermordung des amerikanischen Präsidenten Kennedy oder die Aufrüstung der NATO. Er griff zudem Wunschbilder auf, bearbeitete Werbemotive wie schnelle Autos «Zwei Fiat» (1965) oder exotische Reiseziele «Ägyptische Landschaft» (1964). Der vielfältige Ausnahmekünstler verwendete die Fotos und Illustrierten-Abbildungen, «weil es das Unkünstlichste war, das ich greifen konnte.» Denn, so Richter 1978: «Ich wollte Bilder malen, die überhaupt nichts mit Kunst zu tun hatten, dafür nahm ich Fotografien.»
In einem zweiten Teil der Ausstellung wird der Zyklus «18. Oktober 1977» zum Tod der RAF-Mitglieder präsentiert, mit dem Richter 1988 seine Werkgruppe der gemalten Fotos abschloss. Der Titel bezieht sich auf den Tag, an dem die RAF-Terroristen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Jan-Carl Raspe tot im Gefängnis Stuttgart-Stammheim gefunden wurden. Die 15 Bilder reichen von dem «Jungendbildnis» Ulrike Meinhofs, der «Gegenüberstellung» Ensslins, der «Festnahme» Holger Meins bis zur «Beerdigung» der drei toten Terroristen.
«Gerhard Richter. Bilder einer Epoche» läuft vom 5. Februar bis 15. Mai 2011. Die erste Richter-Schau in Hamburg überhaupt, eröffnet einen internationalen Ausstellungreigen zum 80. Geburtstag des Künstlers im Februar 2012. Dazu gehört die Retrospektive im Herbst in der Tate Gallery in London, im Centre Pompidou in Paris und der Nationalgalerie in Berlin. In der Hamburger Kunsthalle läuft ab kommender Woche außerdem «Unscharf nach Gerhard Richter». Dabei wird anhand ausgewählter Gemälde, Fotos und eines Films gezeigt, wie sich das Stilmittel der Unschärfe durch das Schaffen des Künstlers zieht.
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