| Große Expressionisten und eine mysteriöse Dreiecksgeschichte Von Matthias Benirschke, dpa |
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| Sonntag, 06. Februar 2011 um 09:15 Uhr | ||
Die Sammlung «Cohen-Umbach-Vogts», die jetzt in Ostwestfalen zu sehen ist, ist nicht nur eine exquisite Auswahl expressionistischer Bilder. Die drei Namen stehen auch für eine mysteriöse Dreiecksgeschichte.
Büren/Wewelsburg (dpa/lnw) - Walter Cohen war evangelisch und wurde doch von den Nazis im Konzentrationslager umgebracht. Seine Frau wandte sich derweil einem SA-Mann zu. Dieser wiederum hatte seit Jahren Cohen und dessen enge Kontakte zur Welt der Künstler bewundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute dieses Paar die zu Teilen zerstörte expressionistische Sammlung Cohens dann wieder. Die Geschichte dieser Sammlung ist zugleich eine Kette von Widersprüchen.
Knapp 60 dieser Bilder bedeutender Künstler von Max Beckmann über Paul Klee bis Käthe Kollwitz sind vom 6. Februar bis 10. April auf der Wewelsburg bei Paderborn zu sehen.
Die Dreiecksgeschichte dieser Menschen ist untrennbar mit der Sammlung verbunden. «Margarete Umbach und Richard Vogts haben sich nach dem Krieg in Lörrach niedergelassen», sagt Markus Moehring, Leiter des Museums am Burghof in Lörrach. Anfang der 1980er Jahre vermachte Richard Vogts die Bilder der Stadt. «Er bestand darauf, dass die Stiftung die drei Namen enthält.»
Cohen, 1880 in Bonn geboren und evangelisch erzogen, kommt 1914 an die städtischen Kunstsammlungen Düsseldorf. Privat begeistert er sich für die aufstrebende expressionistische Avantgarde. Seine Wohnung wird zum Treffpunkt für Künstler wie Max Beckmann, Lovis Corinth oder Käthe Kollwitz. Viele der Künstler wie Otto Dix, Emil Nolde, Otto Pankok und Karl Schmidt-Rottluff schenken ihm Bilder und Drucke.
1920 heiratet er die zwölf Jahre jüngere Margarete Umbach. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 bedeutet für das Paar einen tiefen Einschnitt: Der Beamte Cohen wird wegen seiner jüdischen Abstammung in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Seine Gesundheit ist angeschlagen, er hält sich mit Kunstexpertisen mühsam über Wasser. Die Beziehung zerbricht, ab 1938 lebt das Paar getrennt.
1942 muss Cohen sich wegen Beihilfe zum Betrug verantworten. Er wird zwar freigesprochen, doch die Gestapo nimmt ihn sofort wieder in Haft. Einziges Hindernis für eine Überstellung ins KZ ist die Ehe mit der «Arierin» Umbach. Der Druck auf Umbach wächst und sie reicht die Scheidung ein. Damit ist Cohens Schicksal besiegelt. Während er ins KZ gebracht wird, heiratet Umbach im August 1942 Richard Vogts. Im Oktober stirbt Cohen im KZ Dachau. Margarete Umbach reist zu Vogts ins Elsass und versteckt die Sammlung «entarteter» Kunst auf einem nahen Bauernhof. Dort wird sie bei einer Explosion fast vollständig zerstört. Umbach stirbt 1960.
Vogts, 14 Jahre jünger als Margarete, Sohn eines Kunstmalers, studiert Jura. Um das Examen ablegen zu können, muss er in die SA eintreten, heißt es der Biografie des Museums in Lörrach. Später, als Direktor des Finanzamtes Lörrach und als Pensionär, widmet er sich dem Sammeln von Kunst, bis er 1984 stirbt. «Der lange Schatten Cohens hat Umbach und Vogts ihr Leben lang begleitet», sagt Möhring. Warum die beiden ihr Leben nach dem Krieg praktisch dieser Sammlung im Geiste Cohens widmeten, sei unklar. «War es schlechtes Gewissen? Oder war es auch ein Stück Trauerarbeit?»
Besonderen Reiz bekommt die Ausstellung durch den Ort. Die Wewelsburg aus dem 17. Jahrhundert hatte 1933 SS-Führer Heinrich Himmler begeistert. Hier sollte eine monumentale SS-Kaderschmiede, entstehen, das Herz der Organisation. Im April letzten Jahres wurde hier die Ausstellung «Ideologie und Terror der SS» eröffnet. Und es ist nicht zuletzt der ungewöhnliche Grundriss der Burg, der die tragische Sammlungsgeschichte versinnbildlicht: Die Wewelsburg gehört zu den ganz wenigen Dreiecksburgen in Deutschland.
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