| Mandela-Fotograf Schadeberg: Nachfrage nach Porträts boomt Von Ralf E. Krüger, dpa |
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| Montag, 07. Februar 2011 um 06:48 Uhr | ||
Seit 60 Jahren fotografiert Jürgen Schadeberg Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela. Die Sorge um dessen Gesundheit treibt die Nachfrage nach den Fotos des Berliners, der nun in Frankreich lebt, in die Höhe.
Paris (dpa) - «Mein erstes Buch mit Mandela auf dem Cover hatte ich 1984 auflegen wollen, aber damals fand sich kein Verleger; so geht es mir immer wieder: Ich bin zu oft meiner Zeit voraus», sagt Jürgen Schadeberg. So sieht er es auch beim gerade veröffentlichten Fotoband über seine neue französische Heimat Le Pin-la-Garenne in der Normandie. Es war ein zweijähriges Projekt, das ihm am Herzen liegt und das er als wichtiges Zeitzeugnis sieht. Doch anders als auf dem Lande stießen Buch und Ausstellung in Paris auf verhaltenes Echo.
Dagegen kann er sich vor Anfragen nach seinen Mandela-Bildern kaum retten. Sie schwollen an, als der Krankenhausaufenthalt des südafrikanischen Nationalhelden weltweit Schlagzeilen machte. «Ich lege gerade eine limitierte Edition mit einem Vierer-Satz von Mandela-Porträts aus den Jahren 1951, 1952, 1958 und 1994 auf», sagt Schadeberg. Der Künstler, den das Goethe-Institut «zu den wichtigsten Fotografen weltweit» zählt, hatte Mandela vor 60 Jahren beim ANC-Kongress 1951 in Bloemfontein erstmals fotografiert.
Der im März 80 Jahre alt werdende Schadeberg war nur wenige Monate zuvor im Anschluss an ein Praktikum bei der Nachrichtenagentur dpa nach Südafrika emigriert. Dort leitete der gebürtige Berliner die Fotoredaktion von Afrikas erstem schwarzen Lifestyle-Magazin, «Drum». Mit der Kamera hielt er die blühende Township-Jazzszene und Schlüsselereignisse in Südafrikas Geschichte im Bilde fest. Seinen Weg prägten Lehraufträge in New York, Paris und Hamburg und Ausstellungen rund um den Globus; in zwei Wochen wird in der amerikanischen Berkeley-Universität seine nächste Südafrika-Ausstellung eröffnet.
Doch der Fotograf, Filmemacher und Journalist, dessen Lebenswerk auch in dem Ende 2005 erschienenen Film «Drum - Wahrheit um jeden Preis» gewürdigt worden ist, muss sich zunehmend gegen eine schleichende Enteignung seines geistigen Eigentums wehren. «Vor kurzem haben wir eine Zeichnung von Jürgens berühmtem Foto bei Ebay entdeckt, das Mandela nach seiner Freilassung beim Besuch seiner früheren Zelle auf Robben Island zeigt», erklärt seine Frau Claudia.
Mittlerweile wehrt sich Schadeberg mit rechtlichen Mitteln. Ende 2009 etwa untersagte das Landgericht Berlin einer südafrikanischen Bildagentur die Internetverwertung seiner Werke. In dem Rechtsstreit ging es um über 200 bis dahin unveröffentlichte Fotos des Chronisten aus den Jahren 1952 bis 1959. Die Negative hatte er 1964 in Südafrika zurücklassen müssen, weil er von der Apartheid-Geheimpolizei beobachtet wurde. Der im März 80 Jahre alt werdende Schadeberg hatte den Kap-Staat damals nur mit Handgepäck verlassen.
Schadebergs Blick zurück auf seine Wahlheimat Südafrika ist geprägt von einer gewissen Ernüchterung. Der Wegbegleiter des Apartheid-Südafrikas in die Demokratie ist enttäuscht von der heutigen Bereicherungsmentalität vieler Politiker und auch der Forderungshaltung vieler schwarzer Südafrikaner. Als er eine Dokumentation über den schwarzen Fotografen Ernst Cole drehte, musste er sich sagen lassen, dass ein weißer Mann nicht das Recht habe, einen Film über einen schwarzen Künstler zu drehen.
Er fühlt sich heute um Hoffnungen betrogen, die durch die demokratische Wende am Kap 1994 genährt wurden: «Der Rassismus hört einfach nicht auf - heute hat er nur umgekehrte Vorzeichen.» Schadeberg hat sich längst wieder europäischen Themen zugewandt, verbrachte gerade einen Monat in Berlins Problemviertel Neukölln und organisierte Ende 2010 in einer Pariser Eliteschule eine Ausstellung über den Fall der Mauer, deren Errichtung er einst dokumentierte. «Die Ausstellung war sehr erfolgreich», sagt Schadeberg mit augenzwinkerndem Humor: «Bis auf ein Bild wurden alle Fotos gestohlen - also müssen die Bilder sehr populär gewesen sein!»
http://www.jurgenschadeberg.com
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