| Doppelausstellung zum unbekannten Ernst Barlach Von Eva-Maria Mester, dpa |
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| Montag, 14. Februar 2011 um 06:45 Uhr | ||
Pralles Leben und düstere Ahnungen: Ernst Barlach war nicht nur Bildhauer und Maler, sondern auch Schriftsteller. Eine Doppelausstellung in Lübeck zeigt beide Seiten des Künstlers.
Lübeck (dpa/lno) - Gleich zwei weitgehend unbekannte Facetten des Künstlers Ernst Barlach (1870-1938) sind von Sonntag an in einer großen Doppelausstellung in Lübeck zu sehen. Das Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt Frauenbildnisse des expressionistischen Bildhauers und Zeichners, das Günter-Grass-Haus bietet Einblicke in das literarische Schaffen des norddeutschen Künstlers. Während die Frauenbildnisse zuvor schon in Passau und Güstrow zu sehen waren, erlebt die literarische Ausstellung zu Barlach in Lübeck ihre Premiere. Zur Eröffnung am Sonntag spielen Schauspieler des Theaters Lübeck Szenen aus Barlachs 1926 entstandenen Drama «Der blaue Boll».
Es ist das bekannteste der acht Dramen, die Barlach geschrieben hat. Seinen ersten großen Erfolg erlebte das Stück um die Identitätssuche zwischen Diesseits und Erlösung 1930 am Berliner Schauspielhaus mit Heinrich George in der Titelrolle. Das Originalprogramm von der Premiere am 6. Dezember 1930 wird in der Kabinettausstellung im ersten Stock des Grass-Hauses gezeigt. Unter dem Titel «Mythos und Zukunftstraum. Texte und Bilder von Ernst Barlach» zeigt sie Handschriften seiner Dramen und Prosatexte: Publikationen wie eine Originalausgabe seines 1948 posthum erschienenen Romans «Der gestohlene Mond», in dem sich der Schriftsteller Barlach mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzt und Illustrationen zu eigenen und fremden Texten.
Barlach wurde am 2. Januar 1870 im schleswig-holsteinischen Wedel geboren und wuchs in Ratzeburg auf. Seit 1910 lebte er mit seiner Mutter und seinem unehelichen Sohn, für den er das Sorgerecht erstritten hatte, im mecklenburgischen Güstrow. Obwohl er 1934 einen «Aufruf der Kulturschaffenden» unterzeichnete und damit seine Gefolgschaft zu Adolf Hitler demonstrierte, durften seine Arbeiten ab 1937 nicht mehr ausgestellt werden. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Figur «Der Schwebende» im Güstrower Dom, die er 1927 als Ehrenmal für die Gefallenen geschaffen hatte. Die Figur wurde 1937 entfernt, später eingeschmolzen und 1953 durch einen Nachguss ersetzt.
Die zweite Ausstellung mit dem Titel «...das Kunstwerk dieser Erde. Barlachs Frauenbilder» zeigt, wie seine eigene Biografie Barlachs Darstellung von Frauen beeinflusst hat. Zu sehen sind sinnlich-erotische Frauenbildnisse aus den Jahren 1890 bis 1905, in denen er zum Beispiel seine erste Liebe Anna Spiekermann, oder die Mutter seines Sohnes, das Künstlermodell Rosa Limana Schwab, porträtierte. Ab 1906 wandelten sich seine Frauenfiguren zu dick verhüllten russischen Bäuerinnen und Bettlerinnen, bis er schließlich ab 1912 Frauen nur noch als entkörperlichte und vergeistigte Wesen darstellte. Auch das schwierige Verhältnis zu seiner psychisch labilen Mutter - sie beging 1920 Selbstmord - spiegelt sich in seinen Werken wider.
Einen besonderen Lübeck-Bezug bekommt die Ausstellung durch die «Gemeinschaft der Heiligen», einen Figurenfries, den Barlach 1929 für die Westfassade der Lübecker Katharinenkirche entwarf. Doch von den zwölf Entwürfen wurden bis 1931 nur drei verwirklicht: «Die Frau im Wind», «Der Bettler», und «Der Sänger». Die Modell für den kompletten Fries sind im Museum Behnhaus zu sehen.
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