| Georg W. Bush als Primat: Museum zeigt internationale Karikaturen Von Marina Leunig, dpa |
|
|
|
| Montag, 14. Februar 2011 um 06:45 Uhr | ||
Hannover (dpa/lni) - Mit tiefergesetzten Ohren, spitzem Mund und Affenhänden lächelt Georg W. Bush dem Betrachter der Zeichnung «Das Grinsen der Freiheit» geheimnisvoll entgegen. Eine Ähnlichkeit des ehemaligen US-Präsidenten mit einem Schimpansen hat der britische Karikaturist Steve Bell in Perfektion auf das Papier gebracht. «Es ist ein Fakt: Georg W. Bush sieht aus wie ein Schimpanse», sagte der 59-Jährige am Freitag im Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover ohne Gnade. Seine Zeichnungen begreife er als Ventil für die Wut über Politiker und ihre Entscheidungen.
Das Museum zeigt ab Sonntag eine Auswahl von über 100 Karikaturen des britischen Künstlers von den frühen 1980er Jahren bis heute. Museumsdirektor Hans Joachim Neyer sagte am Freitag, er bewundere den Mut, mit dem Bell den Menschen konsequent ein Markenzeichen verpasse. Sei es die Unterhose des ehemaligen englischen Premierministers John Major, die er zu dessen Markenzeichen deklarierte oder das Kondom, welches er dem derzeitigen Premier David Cameron aufgrund seiner glatten Erscheinung stets über den Kopf stülpt.
Wenn man den 59-Jährigen an seinem Tischchen im Museum mit dem Pinsel in der linken Hand und dem Farbkasten zu Rechten sitzen sieht, wirkt er weit weniger bissig als seine Werke vermuten lassen. Steve Bell arbeitet seit rund 30 Jahren für die linksliberale britische Tageszeitung «The Guardian». Er karikiert dort scharfzüngig und oft brutal die Welt der Obamas, Bushs und Merkels. Der Papst bekommt sein Fett weg, wenn Bell ihn halbnackt mit einem zum Adonis aufgepumpten Jesus am Kreuz über dem Schriftzug «Friede auf Erde, und allen wirklichen Männern ein Wohlgefallen» darstellt und damit öffentlich den Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität anprangert.
Die stellvertretende Museumsdirektorin und Organisatorin der Bell-Ausstellung, Gisela Vetter-Liebenow, sieht in Steve Bell einen typischen Vertreter des traditionsreichen britischen Humors. «Viele dieser Zeichnungen würde man so in deutschen Zeitungen nicht finden.» Fragt man Steve Bell, was den britischen Humor ausmacht, muss der wuchtige, bärtige Mann lachen: «Andere Länder sind wohl etwas freundlicher zu ihren Politikern.»
Dass Humor national verankert ist, betont Hans Joachim Neyer, als er die Ausstellung des Franzosen Jean-Maurice Bosc (1924 bis 1973) vorgestellt. Parallel zu Bell werden 125 Zeichnungen des Künstlers in Hannover gezeigt. Mit seinem lakonisch-sparsamen Stil hatte Bosc sich ganz den kleinen Katastrophen des Alltags und humoristischen Darstellungen großer politischer Ereignisse verschrieben. Der unter Depressionen leidende Zeichner wählte im Alter von 49 Jahren den Freitod. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 15. Mai zu sehen.
|
























































