| Kontroverse Künstler-Blicke aufs Emsland Von Taalke Nieberding, dpa |
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| Freitag, 27. Januar 2012 um 05:32 Uhr | ||
Um die YouTube-Filmreihe «Deprimierendes Emsland» der «Deichkönigin» gab es 2011 Aufregung. Auch der Bildband «Expeditionen ins Emsland» des Fotografen Gerhard Kromschröder sorgt in der Region für Diskussionsstoff. Die zwei Künstler haben sich angefreundet.
Meppen (dpa/lni) - Es sind nicht alles Postkartenmotive, die der Journalist und Fotograf Gerhard Kromschröder für seinen Bildband «Expeditionen ins Emsland» ausgewählt hat: Maisfelder, Schützenfeste, Straßenschilder, Atomkraftwerk. 50 Jahre nach seinen Schwarz-Weiß-Fotografien, die er 2005 im Band «Emsland Schwarz-Weiß» veröffentlichte, hat der 70-Jährige die Region erneut erkundet. In den 60er Jahren war er Lokalredakteur in Lingen und Papenburg, später berichtete er für den «Stern» aus Ägypten oder dem Irak.
Für sein neues Buch hat er hat Treckerfahrer und Jagdreiter abgelichtet, Landschaften, Radkappenweitwurf und Hünengräber. Die Motive sind ihm bei teils wochenlangen Streifzügen meist zufällig vor die Linse gekommen, berichtet er. Wie die Fronleichnamsprozession, die an einer «Pizzeria Roma» vorbeizieht.
Tipps zu aktuellen Veranstaltungen hat Kromschröder auch von der «Deichkönigin» erhalten, einer Hobbyfilmemacherin, die vor drei Jahren ins Emsland gezogen ist und mit kurzen Filmen aus der Region im Internet für Diskussionen sorgt. 2010 hatte sie seine Ausstellung besucht. Die beiden kamen ins Gespräch, trafen sich regelmäßig und hielten Kontakt.
Sie kennt die meisten der Orte, an denen Kromschröder war. «Wir haben zum Teil ähnliche Motive gefunden, weil wir von außen kommen und auf die Gegend schauen. Da fallen einem solche Sujets ins Auge», sagt der Journalist. Im Buch stellt er seine Fotos paarweise gegenüber und gibt ihnen Namen: «Der Winterbaum», «Die Strohrolle», «Die Panzerwiese», «Der Kaffeetisch».
Was Außenstehende und Medien als surrealen Stummfilm und Liebeserklärung ans Emsland des in Hamburg lebenden Journalisten interpretieren, stößt manchem Bewohner auf. Josef Grave, Geschäftsführer des kultur- und heimatfördernden Vereins Emsländische Landschaft lobt die Foto-Qualität, sagt aber: «Vorsicht, dieser Bildband ist nicht emslandtypisch. Vielleicht für den ländlichen Raum, aber Bausünden oder eine biertrinkende Männergruppe auf einem trostlosen Platz finde ich auch in Großstädten.» Er glaubt, Kromschröder habe seinen Frieden mit der Region noch nicht gemacht.
Der Landkreis Emsland lässt verlauten, die Motivauswahl Kromschröders entspreche «nicht der tatsächlichen Situation eines sichtbar wohlhabenden und weiterhin wirtschaftlich wachsenden Landkreises».
Die «Deichkönigin» kennt auch schärfere Töne. Weil sie selbst schon Drohnachrichten bekommen habe, möchte sie nur mit ihrem Pseudonym genannt werden. Mehr als 30 Filme hat sie mittlerweile bei YouTube unter dem Titel «Deprimierendes Emsland» eingestellt. Meist richtet sie ihre Kamera mehrere Minuten lang etwa auf ein stillstehendes Kirmes-Karussell oder ein im Wind wippendes Bäckerschild vor einer Tankstelle. Anfangs war es als witzige virtuelle Postkarte für ihre Bekannten gedacht.
Dann war die 40-Jährige überrascht von den teils heftigen Kommentaren wie: «Verpiss dich einfach.» Mittlerweile gehören die über 400 Internetmeinungen für sie zum Gesamtkunstwerk: «Die Emsländer haben eigentlich einen derben Humor. Nur nicht, wenn es um ihre Heimat geht.» Ein Bekannter habe eine ähnliche Filmreihe über Osnabrück gestartet, «dort juckt das keinen.»
Kromschröder: «Da sind ausgebrannte Äcker oder die Hässlichkeit der Outlet-Center. Aber man tut so, als sei es eine liebliche Landschaft. Wer etwas dagegen sagt, bekommt den Heimatfanatismus zu spüren und wird als Nestbeschmutzer gebrandmarkt.»
Anja Rohde, Pressesprecherin beim Landkreis Emsland, meint, komische Darstellungen erschienen zuweilen unangemessen, auch weil die Emsländer darin ihre Leistungen geschmälert sähen. Immerhin habe es die Region seit dem Krieg zu Wohlstand gebracht. Aber sie sagt auch: «Die Anzahl von Ostfriesenwitzen lässt vermuten, dass unsere Nachbarn ein wenig geübter darin sind, über sich selbst zu lachen.»
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